Bekommen die Privatschulen zu wenig Geld?

ZEIT-Elbvertiefung am 11.04.2018

Während immer noch um den Erhalt der katholischen Schulen in Hamburg gestritten wird – die Gesamtelternvertretung und die Initiative »Rettet 21« rufen alle Hamburger für kommenden Sonnabend zu einer weiteren Demonstration in der Innenstadt auf –, soll es heute in der Bürgerschaft generell um die monetäre Ausstattung von Privatschulen gehen. Die CDU fordert in ihrem Antrag: »Endlich Transparenz bei der Finanzierung der Schulen in freier Trägerschaft – reale Schülerjahreskosten je Schulform statt komplizierter Formel«. Eigentlich erhalten die Privatschulen 85 Prozent der staatlichen Schülerjahreskosten. Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion Birgit Stöver bemängelt allerdings, dass die rechnerischen Schülerjahreskosten nicht auf den real anfallenden Kosten basierten, sondern auf einer vom Senat erstellten, komplizierten Kalkulation, die deutlich darunterliege. Die Arbeitsgemeinschaft freier Schulen (AGFS) in Hamburg kritisiert vor allem zwei Punkte: die sogenannten fiktivenMietkosten als »völlig willkürliche Größe«, die seit 15 Jahren nahezu unverändert geblieben sei, und die fehlende Berücksichtigung von Pensionsrückstellungen. Wie sieht es denn nun tatsächlich aus? Und wie steht Hamburg im Bundesvergleich da? Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen, sagt der Bildungssoziologe Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung: »Die Bildungskosten in den einzelnen Bundesländern lassen sich schlecht vergleichen. Man weiß schlicht nicht, welche Posten da jeweils genau drinstecken. Wird zum Beispiel die Hortbetreuung mit einkalkuliert oder nicht?« Mit einer staatlichen Erstattung von 85 Prozent der Schülerjahreskosten sei Hamburg zwar »ganz klar mit an der Spitze«. Allerdings nur, wenn denn die Unterstützung tatsächlich so hoch sei und nicht deutlich geringer, wie eben CDU und AGFS behaupten. »Wir bräuchten mehr unabhängige Forschung dazu«, so Helbig. Hat es System, dass es die nicht gibt?

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